Was wäre Tirol ohne seine Kühe?

Eine ungewöhnliche Frage,

die im ersten Moment vielleicht zum Schmunzeln bringt. Schließlich 
gehören Kühe zu Tirol wie mächtige Berggipfel, frisch herausgebackener Kaiserschmarrn und 
das vertraute Läuten der Glocken auf den Bergwiesen.
 
Doch hinter diesem Postkartenmotiv steckt weit mehr als nur Milch und Käse.  
Würden die Weidetiere fehlen, würde sich schlagartig etwas verändern, das wir mit einem 
Sommer im Zillertal ganz selbstverständlich verbinden: das Gesicht unserer Almen.
 
Wir wandern über sie, kehren bei den Hütten ein und genießen den Weitblick über saftige Hänge, 
als wäre das alles unberührte Natur. Dabei ist eine Alm keineswegs einfach sich selbst 
überlassen. Was wir heute als typische Zillertaler Traumkulisse kennen, ist über Jahrhunderte 
durch ein feines Zusammenspiel von Menschen, Tier und Natur geformt worden. 

Wanderschuh trifft Kulturlandschaft

Würden viele Almflächen nicht mehr bewirtschaftet, würde sich die Natur das Land rasch 
zurückholen. Die oAenen Wiesen würden verbuschen und langfristig wieder dicht zugewachsen 
sein. Damit ginge ausgerechnet jener Lebensraum verloren, der heute unzähligen seltenen 
Pflanzen und Tieren eine Heimat bietet. 

Die Alm ist eine über Jahrhunderte behutsam mitgestaltete Kulturlandschaft. Ihre 
beeindruckende Artenvielfalt ist kein Zufall, sondern das Resultat stetiger, achtsamer Pflege.

Wie viel Leben, Tradition und täglicher Einsatz hinter diesem scheinbaren Idyll stecken, wird 
beim Blick auf die Fakten greifbar:

  • 3.221 Almen: So viele zählt Tirol insgesamt – über 2.000 davon werden intensiv 
    bäuerlich bewirtschaftet. Damit ist Tirol Österreichs Almenland Nummer eins.
  • 173.500 Tiere: Jeden Sommer ziehen rund 108.000 Rinder, 62.000 Schafe und 3.500 
    Pferde hinauf auf die Tiroler Weideflächen.
  • Handarbeit im Hochgebirge: Hinter diesen Daten stehen Sennerinnen und Senner, die 
    Zäune kontrollieren, Tränken sichern, Tiere pflegen und vor Ort melken. Verarbeitet wird 
    die Milch oft direkt auf der Alm zu frischer Butter und herzhaftem Bergkäse.

Dieser besondere Ort ist Arbeitsplatz, Schutzraum, Bio-Reservat und das grüne Herz der Tiroler 
Landwirtschaft zugleich. 

Ein Apothekergarten auf 1.500 Metern- das Superfood der Alpen

Wer im Hochsommer durch die Bergwelt rund um Fügen wandert, sieht auf den ersten Blick vor 
allem ein blau-grünes Meer. Doch beim zweiten Hinsehen offenbart sich ein botanisches 
Wunderwerk. Je nach Höhenlage, Boden und Feuchtigkeit gedeiht zwischen den Gräsern ein 
dichtes Mosaik aus duftenden Kräutern und geschützten Blütenpflanzen. Rund 600 Tiroler 
Almen liegen sogar ganz oder teilweise in Naturschutzgebieten. 
Gepflegte Hänge, gesäuberte Wasserläufe und intakte Böden sichern die Landschaft ab und 
beugen Hangrutschungen sowie Erosionsschäden vor. Eine Alm sieht also nicht nur schön aus – 
sie leistet echte Schutzarbeit für das gesamte Tal.

Kann man die Alm eigentlich schmecken?

Rund 40 Millionen Kilogramm Almmilch werden jedes Jahr in Tirol erzeugt – das entspricht 
etwa 11% der gesamten Milchmenge des Landes.
 
Die riesige Kräutervielfalt, das frische Bergquellwasser und die ständige Bewegung der Tiere an 
der frischen Luft verändern die Milch und diese weist nachweislich höhere Gehalte an 
wertvollen Vitaminen, Mikronährstoffen und gesunden, ungesättigten Fettsäuren auf.
 
Die Kette ist denkbar direkt: Was auf der Alm gedeiht, fressen die Kühe. Was die Kühe fressen, 
verleiht der Milch ihren einzigartigen Charakter.  

Küchengeheimnis- das Aroma der Wiese auf dem Teller

Der Duft von frisch getrocknetem Heu gehört zum Bergsommer wie der Sonnenschein. Da Heu 
nichts anderes ist als die konservierte Vielfalt aus Gräsern, Thymian, Schafgarbe und 
Bergkräutern, steckt in ihm ein kulinarischer Schatz. 

Heu wird längst nicht nur als Dekoration, sondern als natürliches Gewürz und Räucherwerk 
verwendet:

  • Heu-Aromatisierung: Das sanfte Dämpfen oder Räuchern mit Bergheu verleiht 
    Zillertaler KartoAeln, Gemüse, Käse oder zartem Fleisch eine unvergleichliche, leicht 
    nussige Sommerwiesen-Note.
  • Die feine Grill-Alternative: Statt beim Sommerabend ausschließlich auf Holzkohle- und 
    Raucharomen zu setzen, bringt eine Handvoll Almgewürz-Heu die Leichtigkeit der Berge 
    direkt auf den Teller. Ein echtes Stück Naturgenuss, das überrascht. 

Kräuter, die zur Tradition werden

Rund um Mariä Himmelfahrt am 15. August werden im Zillertal seit Generationen traditionelle 
Kräuterbuschen gebunden. 

Schon früher wussten die Menschen um die Heilkraft der Wiesen. Die gesammelten Almkräuter 
dienten als natürliche Hausmittel, Würzmittel und Wintervorrat.
 
Wenn Sie also in den nächsten Tagen durch das Zillertal wandern, sehen Sie vielleicht mehr als 
nur eine Kuh auf der Wiese. Sie sehen ein jahrhundertealtes Handwerk, lebendige Kultur und 
gelebten Genuss.
 
Was wäre Tirol also ohne seine Kühe? Ganz ehrlich: Nur halb so schön – und um viele 
Geschmackserlebnisse ärmer!